Sura Al-Shawk
Sura Al-Shawk

Es ist im europäischen Alltag wohl das augenscheinlichste Symbol des Islam, das Kopftuch. Ich habe im Prinzip nichts gegen Kopftücher, doch ich habe etwas gegen die Aussage, welche ein Kopftuch machen kann und ich habe etwas dagegen, wenn eine Kopftuch benutzt wird um sich abzugrenzen. Mir wäre es egal, wenn Frauen (von mir aus auch ruhig Männer) mit Kopftücher herumliefen, wäre das tragen nicht religiös motiviert. Halt ich denke ich könnte, sogar damit Leben, wenn ein Kopftuch aus religiöser Überzeugung getragen wird – doch nur wenn diese Religion respektiert werden kann.

Wenn ich mich zurück erinnere hat auch meine Grossmutter, als Christin, früher manchmal ein Kopftuch getragen. Nicht wegen dem Glauben, auch wenn dies früher unter Christen teilweise auch verbreitet war, sondern eher als modisches Accesoire oder gegen die Kälte. Störte mich das? Nein. Warum auch? Würde es mich stören wenn heute z.B. einige Christinnen oder Jüdinnen freiwilig mit einem Kopftuch herumliefen? Obwohl ich nicht alles an diesen Religionen gut heisse – nein, es würde mich nicht stören.

Wenn jemand gezwungen wird, gegen seinen Willen, ein Kopftuch zu tragen, dann finde ich dies natürlich immer schlecht – egal welche Religion dies nun vorschreibt. Ob das Kopftuch (oder noch grössere Verhüllungen) nun für muslimische Frauen religiös vorgeschrieben ist, ist selbst in der islamischen Welt noch stets ein Diskussionsthema. Im Koran wird das Kopftuch nicht explizit erwähnt, es gibt jedoch einige „Andeutungen“:

Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen ihren Blick senken und ihre Scham wahren, ihren Schmuck nicht offenlegen, ausser dem, was davon sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier über den Kleidausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offenlegen, ausser ihrem Mann, den Söhnen ihres Mannes, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre Rechte als Sklavinnen besitzt, den Gefolgsmännern, die keine Begierde mehr haben, oder den Kindern, die nichts wissen von der Blösse der Frauen. Sie sollen nicht mit den Beinen schlagen, damit man erkenne, was sie von ihrem Schmuck verbergen. (…)

(Sure 24:31, „Der Koran“, Hans Zirker)

Prophet, sag deinen Frauen, deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herabziehen. So werden sie am ehesten erkannt und nicht gekränkt. (…)

(Sure 33:59, „Der Koran“, Hans Zirker)

Das Kopftuch erlebt seit einigen Jahren eine wahre Renaissance, auch unter jungen, westlichen Muslimen. Dafür gibt es sicherlich verschiedene Gründe. Da gibt es die welche gezwungen werden es zu tragen und die, welche es ganz bewusst (freiwillig) tragen. Sie tragen es aus Überzeugung für ihren Glauben, aber ich denke es gibt auch einige die damit Aussagen wollen „Ich gehöre nicht zu euch!“ oder „Euer westlicher Lebensstil widert mich an.“. Wenn „dieses Stückchen Stoff“ getragen wird um ein solches Statement abzusetzen, muss man sich nicht wundern wenn sich die Gegenseite nicht respektiert, sondern gar provoziert fühlt.

Wenn eine Muslima das Kopftuch aus reiner religiöser Überzeugung trägt, dann kann wäre ich fast selbst geneigt dies aus romantisch verklärten Gründen zu tolerieren. Ist es nicht etwas schönes, wenn ein Mensch so gläubig ist, dass er diese Liebe zu Gott auch so beweisen möchte? Eventuell. Jedoch befürchte ich, dass einige Muslima sich gar nicht bewusst sind, in was für einem Glauben sie da eigentlich Mitglied sind:

Wenn ihr die trefft, die ungläubig sind, dann schlagt auf ihren Nacken! Wenn ihr sie schliesslich niedergekämpft habt, dann schnürt die Fesseln. Und danach entweder Begnadigung oder Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten ablegt! Das ist es. Wenn Gott wollte, würde er über sie siegen. Er will aber die einen unter euch durch die anderen prüfen. Denen, die auf Gottes Weg getötet werden, wird er ihre Taten nicht irreleiten.

(Sure 47:4, „Der Koran“, Hans Zirker)

Ja, die meisten Muslime bei uns im „Westen“ leben friedlich und akzeptieren unsere Werte, doch haben diese den Koran überhaupt schon einmal gelesen und wenn ja, was für eine Version? Eine beschönigende oder eine die historisch korrekt und unverfälscht ist? Ich vermute, wenn sie denn bereit wären sich wirklich der Kritik zu stellen, wären einige überrascht was ihre Religion denn so alles predigt.

Der Tagesanzeiger veröffentlichte vor kurzem einen Artikel über Sura Al-Shawk, einer irakischen Muslima, welche im Alter von 10 Jahren mit ihrer Familie in die Schweiz geflüchtet ist. Nun ist sie 19 , mit 17 beschloss sie von nun an aus religiöser Überzeugung das Kopftuch zu tragen. Sura spielte früher in der Regionalliga Basketball, mit Kopftuch. Als sie nun vor einiger Zeit in die Nationalliga-B wechselte ging dies nicht mehr, da der Schweizerische Basketballverband ihr dies untersagte. Dabei beruft sich der Verband auf das Regelwerk, welches politische und religiöse Symbole beim Sport untersagt. Sura Al-Shawk meint dazu:

Ich verstehe das einfach nicht.

oder aber auch sehr einsichtig:

Ich will mit Kopftuch spielen. Ich lege es nicht ab!

respektive:

Der Punkt ist doch, der Verband duldet keine religiösen Symbole. Das akzeptiere ich nicht.

Sie akzeptiert also die Regeln des Verbandes nicht? Gut, das ist natürlich ihr Recht. Der Verband hat natürlich aber auch das Recht sie gemäss den Regeln nicht spielen zu lassen, es sei denn sie zieht kein Kopftuch an. Wie es weiter geht, werden nun die Gerichte klären müssen.

Die „Schweizer Illustrierte“ meint dazu:

Ein Hauch von 20 Gramm Stoff unterscheidet Sura von den anderen Spielerinnen der Luzern Amazons.

Ein Hauch von Stoff? Es ist ja nur ein Stück Stoff? Es ist eben leider doch nicht so einfach. Es ist meistens mehr als ein Stück Stoff. Wäre es nur ein Stück Stoff, dann würde auch Sura Al-Shawk nicht so einen Aufstand machen.

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5 Gedanken zu “Das Kopftuch: Nur ein Stück Stoff?

  1. Hallo, aber auch Christen haben mehr oder weniger starke Vorschriften… Hab`s mal rausgesucht:

    1. Korinther 11.13-15:
    Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet? Und lehrt euch nicht selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? [u]Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben.[/u]

    Gruss
    Hermes

  2. Ja, nur werden diese „Vorschriften“ heute wohl nur noch von den wenigsten befolgt.

    Ob jetzt „Religion A“ oder „Religion B“ etwas einem vorschreibt finde ich im Prinzip belanglos. Das einzige was mir etwas Vorzuschreiben hätte, wäre die Vernunft, daraus entwickeln sich dann und resultieren die weltlichen Gesetze.

    Ausserdem, von wem stammt dieses christliche „Gebot“? Von Paulus? Wieso sagt er sowas, hat Jesus ihm gesagt das müsse so sein? Oder Gott? Ist das eine Erfindung von ihm selbst?

  3. Hi Isley Constantine,
    dies ist kein Gebot. Es ist ein Ratschlaf, der Unterschied liegt darin, dass die Gebote von Gott kommen. Der Ratschlag hingegen von Paulus (als Person).

    Er gibt der Stadt Korinth Ratschläge, warum sie so viele Missstände haben. Es geht ja nicht nur darum, jemandem etwas vorzuschreiben. Denn schlussendlich kannst du ja auch als Mann mit langen Haaren beten und auch als Frau mit einer Glatze. (Egal ob sie von einer Chemotherapie ist, oder nicht) Schlussendlich zählt ja die eigene Beziehung zu Gott und nicht wer am Sonntagmorgen die beste Show abgezogen hat.

  4. Ja, wie gesagt wenn jemand aus eigener und freier Entscheidung so etwas tun will, dann kann ich das akzeptieren. Aber dann soll es darum nur um die persönliche Beziehung mit Gott gehen und nicht um ein Statement abzusetzen.

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