Ist es nicht schön, wenn sich leute gegenseitig achten und respektieren und aufeinander Rücksicht nehmen. Ja, das ist es. Doch wie weit darf eine solche Rücksichtnahme gehen? So weit, dass man vergisst auf sich selber oder jemanden anderen Rücksicht zu nehmen vor lauter guter Wille?

Bisher ging ich davon aus, dass in der Schweiz Religion und Staat getrennt sei. Leider nur theoretisch. In der Praxis gibt es nach wie vor eine Durchmischung. Über die Präambel in der Schweizerischen Bundesverfassung lässt sich streiten, doch wenn eine Religion den obligatorischen Schulunterricht oder auch die Schule im Allgemeinen beeinflusst, dann läuft etwas falsch. Keine staatliche Institution, also auch keine staatliche Schule, sollte auf religiöse Gefühle Rücksicht nehmen. Ob es sich nun hierbei um die Gefühle von Christen, Moslems, Juden, Hindus, Buddhisten oder den Anbetern von fliegenden Spaghetti-Monstern handelt. Das Problem ist einfach, dass durch eine Rücksichtnahme für eine bestimmte Personengruppe häufig (aber nicht immer) eine andere benachteiligt oder gar diskriminiert wird.

Um ein (vielleicht gar nicht zu) abstraktes Beispiel zu bringen:
Eine Schulklasse besteht aus 20 Schülern. Davon sind 8 Schüler Christen, 5 Schüler sind Muslime, 2 sind Juden, einer ist Agnostiker und 4 Schüler beten ein „fliegendes Spaghetti-Monster“ als Gottheit an. In diesem Kult, Sekte oder Religion (den Unterschied muss mir mal einer erklären) ist der Monat September der heiligste aller Monate, da er wie die köstlichen Spaghetti mit „S“ beginnt. In diesem Monat ist es üblich, dass alle Anhänger jeden Tag ausschliesslich Spaghetti essen. Etwas anderes zu Essen ist verpönnt und man wird als ungläubiger aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, die Ehre der Familie wird hiermit ebenfalls befleckt.

Nun, was soll die Schule in diesem Beispiel machen? Klar, wir sind doch alle tolerant. Die Küche kocht halt einfach zusätzlich jeden Tag Spaghetti. Oder nicht? Kann sich jede Schule einen solchen Aufwand leisten? Möchte sich jede Schule einen solchen Aufwand leisten? Gibt es andere Schüler welche durch den täglichen Anblick von Spaghetti, über einen längeren Zeitraum, verstimmt werden? Was tun wenn es keine Spaghetti mehr zu kaufen gibt? Diese Schüler nach Hause schicken, oder gleich solidarisch alle?

Wäre es nicht einfacher, wenn eine Schule einfach den staatlichen Auftrag hätte, dem Schülern eine ausgewogene und gesunde Ernährung anzubieten ohne weitere Einschränkungen?

Der Tagesanzeiger berichtete im September darüber, dass die Bildungsdirektion ihre Richtlinien zum Umgang mit muslimischen Schülern überarbeitet hat:
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Wann-muslimische-Kinder-schulfrei-haben/story/10442522

Daraus entnehmenw wir:

Religiöse Feiertage: An hohen religiösen Feiertagen oder an besonderen Anlässen religiöser Natur können Eltern verlangen, dass ihre Kinder nicht in die Schule müssen. Im Islam zählen dazu das 3-tägige Fest des Fastenbrechens zum Abschluss des Ramadans und das 4-tägige Opferfest. Diese Dispens geht nicht zulasten der Jokertage. Oft werde allerdings nur um Dispens für den ersten Tag angefragt.

Also haben muslimische Kinder, sofern es die Eltern wollen, nun mehr freie Tage als nicht-muslimische? Das ist mal eine gute Werbung für den Islam. „Konvertieren Sie noch heute und gewinnen Sie zusätzliche freie Schultage!“.

Auch darf man sich in einer Gruppe – auch in einer gleichgeschlechtlichen – nicht nackt zeigen. Die Jugendlichen sollen also allein duschen können, entweder vor oder nach den Kollegen und Kolleginnen oder hinter einem Vorhang beziehungsweise in einer Einzelkabine.

Meine Schule hatte früher nur Gruppenduschen ohne getrennte und abschirmbare Bereiche. Ja, das war natürlich sehr furchtbar. Vermutlich bin ich dadurch sogar so moralisch verkommen? Müssen nun Schulen die Duschräume gegebenenfalls umrüsten, um hier ja nicht die Gefühle dieser Schüler zu verletzen? Finden die Steuerzahler diesen finanziellen Mehraufwand in Ordnung?

Ramadan: Schüler, die im Ramadan fasten, sollen vom Turnen und vom Kochunterricht befreit werden, wenn das die Eltern wünschen. Sie sind in dieser Zeit anders zu beschäftigen.

Natürlich, lassen wir doch einfach den obligatorischen Turnunterricht ausfallen, ist ja nur für kurze Zeit. Ist Sport weniger wichtig als andere Fächer? Wie sieht, dass dann später im Militär aus, wenn muslimische Schweizer ihren Wehrdienst leisten. Nimmt man dann dort im Ramadan auch Rücksicht: „Nein. Sie müssen diesen 50 km Marsch natürlich nicht machen Herr Latifi, sie haben natürlich eine Dispens. Müller, Meier? Auf was warten Sie, los, der Weg läuft sich nicht von alleine.“?

Wenn Eltern sich darauf nicht einlassen, muss das Kind eine andere Klasse besuchen, während die Kollegen im Lager sind. Lager sollen nicht während des Ramadans stattfinden.

Gut, dass es nur einen Fastenmonat im Islam gibt. Aber halt, was ist wenn es 12 Religionen gäbe, welche dazu noch alle ihren Fastenmonat in unterschiedlichen Monaten haben? Dann machen wir wohl keine Klassenlager mehr, führt ja sowieso nur zu unnötigen Problemen. Die kann man dann getrost alle vergessen.

Wie man sieht, ist es nicht so einfach mit der Rücksichtnahme. Einerseits ist Rücksichtsnahme ja etwas schönes und edles, aber es kann auch dazu führen, dass der innere Frieden eines Landes gefährdet wird.

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